Eine der Facharbeiten des letzten Jahres hat besondere Aufmerksamkeit erzielt, denn sie befasste sich mit den Folgen des Hochwassers von 2021 in Kall. Jonas Bolender, zu dem Zeitpunkt noch in Jahrgangsstufe Q1, hat seine Arbeit hier kurz zusammengefasst:
Ist der Hochwasserschutz in Kall nach der Flut 2021 ausreichend?
In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 verwandelte das Tief „Bernd” die Gemeinde Kall in ein Katastrophengebiet. Verantwortlich war eine seltene Wetterlage: Eine ovale Verkrümmung des Jetstreams hielt das Tiefdruckgebiet über der Region fest. Warme und feuchte Mittelmeerluft traf auf kühlere Luftmassen und regnete sich ab. Verstärkt wurde die Wetteranomalie durch die steile, enge Tallage im Einzugsgebiet der Urft. Innerhalb von 72 Stunden fiel mehr als doppelt so viel Niederschlag wie sonst in einem ganzen Monat.
Die Folgen waren verheerend: An der kommunalen Infrastruktur sind Schäden in Höhe von rund 113 Millionen Euro entstanden und fast die Hälfte aller Haushalte in Kall war betroffen.
Seither läuft der Wiederaufbau: Ein eigens gegründetes Projektteam der Gemeinde bearbeitet mit Fördergeldern von Bund, Land und Kreis rund 140 Einzelprojekte. Umgesetzt sind bereits technische Schutzmaßnahmen wie Hochwasserschotten und verlegte Elektrik an Rathaus und Grundschule sowie ein Wassergraben am neuen Mehrgenerationenplatz. Geplant sind sieben Regenrückhaltebecken an den Zuflüssen der Urft, ein Urft-Auen-Park als Überschwemmungsfläche sowie zusätzlicher Wasserrückhalt in den Wäldern.
Die abschließende Bewertung zeigt: Die Anfälligkeit Kalls für Hochwasserschäden konnte durch diese Maßnahmen deutlich gesenkt werden. Die Lage vieler Häuser im Tal selbst lässt sich dagegen nicht verändern, das Grundrisiko bleibt also bestehen. Ein vollständiger Schutz vor künftigen Extremereignissen ist somit – auch aus wirtschaftlichen Gründen – nicht erreichbar, wohl aber eine spürbar höhere Widerstandsfähigkeit der Gemeinde.


