2026/2027

Eine der Fach­ar­bei­ten des letz­ten Jah­res hat beson­de­re Auf­merk­sam­keit erzielt, denn sie befass­te sich mit den Fol­gen des Hoch­was­sers von 2021 in Kall. Jonas Bolen­der, zu dem Zeit­punkt noch in Jahr­gangs­stu­fe Q1, hat sei­ne Arbeit hier kurz zusam­men­ge­fasst:

Ist der Hoch­was­ser­schutz in Kall nach der Flut 2021 aus­rei­chend?

In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 ver­wan­del­te das Tief „Bernd” die Gemein­de Kall in ein Kata­stro­phen­ge­biet. Ver­ant­wort­lich war eine sel­te­ne Wet­ter­la­ge: Eine ova­le Ver­krüm­mung des Jet­streams hielt das Tief­druck­ge­biet über der Regi­on fest. War­me und feuch­te Mit­tel­meer­luft traf auf küh­le­re Luft­mas­sen und reg­ne­te sich ab. Ver­stärkt wur­de die Wet­ter­an­oma­lie durch die stei­le, enge Tal­la­ge im Ein­zugs­ge­biet der Urft. Inner­halb von 72 Stun­den fiel mehr als dop­pelt so viel Nie­der­schlag wie sonst in einem gan­zen Monat. 

Die Fol­gen waren ver­hee­rend: An der kom­mu­na­len Infra­struk­tur sind Schä­den in Höhe von rund 113 Mil­lio­nen Euro ent­stan­den und fast die Hälf­te aller Haus­hal­te in Kall war betrof­fen.

Seit­her läuft der Wie­der­auf­bau: Ein eigens gegrün­de­tes Pro­jekt­team der Gemein­de bear­bei­tet mit För­der­gel­dern von Bund, Land und Kreis rund 140 Ein­zel­pro­jek­te. Umge­setzt sind bereits tech­ni­sche Schutz­maß­nah­men wie Hoch­was­ser­schot­ten und ver­leg­te Elek­trik an Rat­haus und Grund­schu­le sowie ein Was­ser­gra­ben am neu­en Mehr­ge­ne­ra­tio­nen­platz. Geplant sind sie­ben Regen­rück­hal­te­be­cken an den Zuflüs­sen der Urft, ein Urft-Auen-Park als Über­schwem­mungs­flä­che sowie zusätz­li­cher Was­ser­rück­halt in den Wäl­dern.

Die abschlie­ßen­de Bewer­tung zeigt: Die Anfäl­lig­keit Kalls für Hoch­was­ser­schä­den konn­te durch die­se Maß­nah­men deut­lich gesenkt wer­den. Die Lage vie­ler Häu­ser im Tal selbst lässt sich dage­gen nicht ver­än­dern, das Grund­ri­si­ko bleibt also bestehen. Ein voll­stän­di­ger Schutz vor künf­ti­gen Extrem­ereig­nis­sen ist somit – auch aus wirt­schaft­li­chen Grün­den – nicht erreich­bar, wohl aber eine spür­bar höhe­re Wider­stands­fä­hig­keit der Gemein­de.

Die Arbeit wur­de mit dem Dr. Hans Rie­gel Fach­preis aus­ge­zeich­net in Zusam­men­ar­beit mit der Uni­ver­si­tät zu Köln. Der Dr. Hans Rie­gel Fach­preis wird jähr­lich durch teil­neh­men­de Uni­ver­si­tä­ten in Deutsch­land und Öster­reich ver­ge­ben. Ein­ge­reicht wer­den kön­nen die Fach­ar­bei­ten in aus­ge­wähl­ten Fächern, wobei das Ziel eine För­de­rung von Nach­wuchs­kräf­ten der MINT-Fächer ist. Dr. Hans Rie­gel war Mit­in­ha­ber von HARI­BO und von Wett­kämp­fen fas­zi­niert, wor­auf der Wett­be­werbs­cha­rak­ter des Prei­ses beruht. Ins­ge­samt wer­den je Uni­ver­si­tät für jeden Fach­be­reich drei Arbei­ten auf einen 1.–3. Platz gewählt. Die Fach­ar­beit von Jonas Bolen­der erreich­te den 3. Platz. Es wer­den jähr­lich ca. 300 Arbei­ten in Deutsch­land und Öster­reich aus­ge­zeich­net. Für wei­te­re Infor­ma­tio­nen bit­te auf die Bil­der kli­cken.