2025/2026

Über 200 Jah­re ist es alt. Es ist ein Thea­ter­stück von etwas mehr als 100 Sei­ten. Es ist Prü­fungs­stoff für das Abitur in Deutsch 2027 und bereits seit Wochen The­ma in allen Deutsch­kur­sen der Q1. Wie bringt man heu­te einen Klas­si­ker der Lite­ra­tur jun­gen Men­schen nahe und wie insze­niert man ihn zeit­ge­mäß?

Ant­wor­ten auf die­se Fra­gen fan­den die Schü­le­rin­nen und Schü­ler der gesam­ten Stu­fe Q1 mit ihren Deutsch­lehr­kräf­ten auf ihrer Thea­ter-Exkur­si­on am 21.01.26 im HORI­ZONT THEA­TER in Köln.

Der Inhalt des Stücks ist schnell erzählt: Es geht um den kor­rup­ten Dorf­rich­ter Adam, der alles dar­an­setzt, sei­ne eige­ne Schuld im Gerichts­pro­zess um den zer­bro­che­nen Krug zu ver­tu­schen. Die Rekon­struk­ti­on der Tat­nacht klärt jedoch auf, dass er es war, der Eve Rull bei einem nächt­li­chen Besuch in ihrer Kam­mer in Bedräng­nis gebracht hat­te. So ste­hen bei Kleists Stück die Aspek­te Wahr­heit und Lüge, Gerech­tig­keit, Amts- und Macht­miss­brauch und Will­kür der Jus­tiz im Zen­trum.

Dass die­se Aspek­te unver­än­dert heu­te noch Aktua­li­tät besit­zen, woll­te die Regis­seu­rin Chris­ta Nachs mit ihrer Insze­nie­rung im HORI­ZONT THEA­TER deut­lich machen. Die bei Kleist nur ange­deu­te­te Ver­ge­wal­ti­gung Eves, die sie in Miss­kre­dit in der Gesell­schaft bringt, wird in der Insze­nie­rung durch eine Wie­der­ho­lung die­ser Tat in einer Gerichts­pau­se unmiss­ver­ständ­lich und quä­lend deut­lich gemacht. Die­se Tat steht sinn­bild­lich für heu­ti­ge Vor­fäl­le von Gewalt gegen Frau­en und das Leid vie­ler, die Gewalt schutz­los aus­ge­setzt sind. Insti­tu­tio­nen, die Schutz ver­spre­chen, ver­sa­gen und Täter kom­men auch oft genug unge­straft davon. Dies ist die unmiss­ver­ständ­li­che Bot­schaft der Insze­nie­rung am HORI­ZONT THEA­TER.

Die Büh­ne kommt mit spär­li­chen Requi­si­ten aus. Umso inten­si­ver wirkt die Leis­tung der Schau­spie­le­rin­nen und Schau­spie­ler. Sprech­stark und ges­ten­reich brin­gen die Akteu­re das Stück sehr leben­dig auf die Büh­ne. Nah am Wort­laut des Ori­gi­nals, aber mit eige­nen Akzen­ten, mit Vor­aus­grif­fen, Raf­fun­gen und dem Kniff, das Stück vom Ende her zu erzäh­len, gelingt es dem Ensem­ble, die Bot­schaft des Stücks aktu­ell und in kom­pak­ter Form auf die Büh­ne zu brin­gen. Das kam gut an bei unse­ren Schü­le­rin­nen und Schü­lern. Den Klas­sen­raum zu ver­las­sen und das Dra­ma ein­mal „live“ auf der Büh­ne zu erle­ben, war eine loh­nens­wer­te Erfah­rung die­ser Thea­ter-Exkur­si­on.

(Mi)