Im Rahmen einer Führung mit den Stufensprechern besuchten wir die St.-Michaels-Kirche in Wien. Pater Peter von Mejil SDS gab uns zunächst eine Einführung in die Geschichte der Kirche, die zu den ältesten Gotteshäusern Wiens zählt. Dabei erfuhren wir unter anderem, dass hier 1791 Mozarts Requiem erstmals aufgeführt wurde.
Im Anschluss wurden wir von den Ordensleuten zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Bei einem gemeinsamen Gespräch erhielten wir Einblicke in die Seligsprechung von Pater Titus. Zudem überreichte uns Pater Peter ein Stemma, auf dem die Niederlassungen der Salvatorianer kenntlich gemacht sind, darunter auch unsere in Steinfeld. Ein schöner Beleg dafür, wie weit das Netz der Ordensgemeinschaft reicht und wie eng unsere Schule damit verbunden ist.
Danach besuchten wir die noch nicht vollständig erschlossene Bibliothek, die vom Vorgängerorden hinterlassen wurde. Besonders Herr Schließmeyer geriet dabei in helle Aufregung. Pater Peter bot ihm daraufhin kurzerhand einen Ferienjob zur Katalogisierung der noch nicht eingesehenen Bände an. Ob er das Angebot annimmt, ist noch offen.
Anschließend erlebten wir den wohl eindrucksvollsten Teil des Besuchs: die Führung durch die historische Gruft.
Dort lagerten einst mehr als 4.000 Särge. Besonders beeindruckend waren die teils kunstvoll bemalten und aufwendig gestalteten Särge, darunter auch prächtige Metallausführungen, die vor allem für Angehörige des Adels angefertigt worden waren. Wir erhielten spektakuläre Einblicke in die außergewöhnliche Gruft und ihre Leichen vergangener Jahrhunderte, zu denen auch meterhohe Ansammlungen menschlicher Gebeine und Schädel gehörten.
Die Nutzung der Gruft begann im frühen 16. Jahrhundert, als aus hygienischen Gründen zahlreiche Friedhöfe innerhalb Wiens geschlossen wurden und Bestattungen zunehmend in unterirdischen Grüften stattfanden. Seit etwa 200 Jahren wird die Gruft nicht mehr für Bestattungen genutzt. Dennoch sind zahlreiche der dort befindlichen Mumien bis heute bemerkenswert gut erhalten.
Ein einschneidendes Ereignis war ein Bombentreffer während des Zweiten Weltkriegs, durch den eine Wasserleitung beschädigt wurde und große Wassermengen in die Gruft eindrangen. Um die historische Substanz und die erhaltenen Mumien zu schützen, sorgt heute ein komplexes Klimasystem für die Regulierung der Luftfeuchtigkeit.
Der Besuch ermöglichte uns nicht nur einen außergewöhnlichen Einblick in die Bestattungskultur vergangener Jahrhunderte, sondern vermittelte auch ein eindrucksvolles Bild davon, wie eng Geschichte, Glaube und die Entwicklung der Stadt Wien miteinander verbunden sind. Die Führung wird uns insbesondere aufgrund der einzigartigen Atmosphäre der Gruft und der zahlreichen historischen Details in Erinnerung bleiben.
Von Bruno Reinsch (Q2), mit Ergänzungen von Stefan Schließmeyer




