2014/2015

Eifel/­Kall-Stein­feld — Wer hät­te gedacht, welch fas­zi­nie­ren­de Wel­ten sich hin­ter “Algen” ver­ber­gen? Beein­dru­ckend doku­men­tiert hat dies Dr. Karl-Heinz Lin­ne von Berg beim 12. “Stein­fel­der Abend” im Her­mann-Josef Kol­leg (HJK) des Sal­va­to­ria­ner-Klos­ters Stein­feld. Der Bio­lo­ge arbei­tet sowohl als Dozent als auch in der For­schung an der Uni Köln. Sein beson­de­res Fach­ge­biet sind die Algen.

“In die Algen”, sagt er schmun­zelnd, “bin ich irgend­wie so rein­ge­wach­sen.” Dem Stein­fel­der Gym­na­si­um ist er seit vie­len Jah­ren ver­bun­den: “Unse­re drei Kin­der haben hier ihr Abitur gemacht”, berich­te­te der gebür­ti­ge Neus­ser, der seit 20 Jah­ren in Kall lebt. Auch bota­ni­sche Füh­run­gen für Eltern, Leh­rer und Ehe­ma­li­ge am Her­mann-Josef-Kol­leg hat Dr. Lin­ne von Berg bereits häu­fi­ger ange­bo­ten. Mit dem ehe­ma­li­gen Leh­rer Wer­ner Löh­nertz, der die “Stein­fel­der Aben­de” ins Leben geru­fen hat und immer noch orga­ni­siert, ver­bin­det ihn die Lie­be zu Irland. Eine von Löh­nertz orga­ni­sier­te Irland-Tour hat­te Dr. Lin­ne von Berg nicht zuletzt auch dazu genutzt, sei­ner gro­ßen Lei­den­schaft zu frö­nen — den Algen. Denn denen ist Dr. Lin­ne von Berg auf der Spur, wo auch immer er sich befin­det.

Wer sich auf die­se zunächst frem­de, etwas wun­der­sa­me Welt ein­ließ, die der Exper­te beschrieb, konn­te ent­de­cken, dass es in der Tat eine fas­zi­nie­ren­de Welt ist. Und zudem eine, die wah­re Kunst­wer­ke her­vor­bringt, wie Dr. Lin­ne von Berg anhand von ras­ter­elek­tro­nen­mi­kro­sko­pi­schen Auf­nah­men doku­men­tier­te. Wun­der­sa­me Gebil­de und bizar­re For­men offen­ba­ren sich in der extre­men Ver­grö­ße­rung. Vie­le der Bil­der hat er selbst gemacht, die Algen stam­men teils aus Irland, teils aus ande­ren Tei­len der Welt — und aus der Eifel. Im Rah­men eines aktu­el­len For­schungs­pro­jekts hat der Bio­lo­ge sogar auch ganz neue Algen ent­deckt. Eine davon in Urft und Stein­feld, ande­re im Schaf­bach­tal bei Schlei­den und in Dah­lem. Das Pro­jekt beschäf­tigt sich mit der Algen­gat­tung “Vau­che­ria”, für die Dr. Lin­ne von Berg einer der welt­weit nur ganz weni­gen Exper­ten ist. Daher kommt es immer wie­der vor, dass er — selbst vor der eige­nen Haus­tü­re — neue Arten ent­deckt. Die ver­schie­de­nen Unter­ar­ten der “Vau­che­ria”, berich­te­te Dr. Lin­ne von Berg, unter­schei­den sich nur durch die Anord­nung der Geschlechts­or­ga­ne.

Übri­gens: Nicht nur in feuch­ten Gebie­ten wach­sen Algen, wie Dr. Lin­ne von Berg berich­te­te. Auch auf Schnee und sogar auf Wüs­ten­sand gedei­hen die wun­der­sa­men Pflan­zen, die fast alle meh­re­re Mil­lio­nen Jah­re alt sind. Was manch einer viel­leicht nicht weiß: Für das öko­lo­gi­sche Gleich­ge­wicht auf der Welt sind Algen von immenser Bedeu­tung. “50 Pro­zent des Sau­er­stoffs heu­te stammt von den Algen”, so Dr. Lin­ne von Berg. Der Rest kom­me von den so genann­ten Höhe­ren Pflan­zen. Da die aber, so der Exper­te, nichts ande­res sei­en, als Orga­nis­men, die irgend­wann ein­mal Blau­al­gen auf­ge­nom­men haben, gin­gen eigent­lich 100 Pro­zent aufs Kon­to der Algen. Die Blau­al­gen selbst, die etwa 3,5 Mil­lio­nen Jah­re alt sind, sol­len zudem die Pho­to­syn­the­se erfun­den haben. Neben der Öko­lo­gie sind die Algen auch wirt­schaft­lich von gro­ßer Bedeu­tung, etwa in der Kos­me­tik.

pp/Agentur Pro­fi­Press